Reflektionsbogen waehrend des Einsatzes
1. Alltag:
• Wohnsituation: Ich lebe auf unserem Projektgelaende in einem sauberen, massiven Haus, das nicht aus Lehm sondern aus Ziegelsteinen besteht. Mein 9 m² Zimmer ist zwar ein wenig eng, wenn man bedenkt, dass ich darin koche, esse, schlafe und all meine Sachen und Lebensmittel darin gebunkert sind. Abgesehen von meinen suessen Mitbewohnern, die aus 2 Ratten, 5 Eidechsen und sicherlich 30 Spinnen bestehen, gefaellt es mir aber sehr gut! Abends wenn die Sonne untergeht, mache ich Kerze und Kerosinlampe an und schnippel wild drauf los, sodass eine halbe Stunde spaeter ein grosser Topf voll mit Gemuese und Spaghettis vor mir steht. Meine menschlichen Mitbewohner auf dem Gelaende sind alles Ugander: ein Farm Manager, ein Field Assistant und ein Ziegenhirte.
So einmal in der Woche gehe ich in die naechst groessere Stadt nach Kasese, wo ich bei unserem Tierazt ganz luxerioes mit Strom, Kuehlschrank und Fernsehen schlafen und am Computer arbeiten und shoppen gehen kann.
• Sprache: In meinem Bezirk spricht man Luconjo. Das depremierende an dieser Sprache ist, dass man sie nur 40 km im Umkreis spricht, was heist, dass, wenn ich in eine andere groesse Stadt als Kasese gehe, mich keener mehr versteht. Dieser Faktor und die Tatsache, dass Luconjo selbst fuer Ugander sehr schwer ist und ich keinen Weissen kenne, der die Sprache besser als oberflaechlich beherrscht, haben mich dazu gebracht, die Sprach nicht zu erlernen. Natuerlich kann ich Begruessungsformeln und auch ein wenig darueber hinaus, aber es ist nicht mehr als Franzoesisch im 1. Jahr. Ich habe auf meinen Reisen auch ein wenig Swahili und Luganda gelernt, was beides deutlich einfacher ist, als Luconjo. Dafuer habe ich mein Englisch zur Perfektion gebracht, was daran liegt, dass ich hier eigtl fast nur englisch sprehe – mit Weissen sowie mit Ugandern.
• Gesundheit: An Anfang hatte ich ziemliche Probleme mich an das Wasser und das Essen zu gewoehnen, da ich und die erste Freiwillige, die 5 Monate mit mir am Projekt gearbeitet hat, viel bei Farmern eigeladen waren und das servierte Essen nicht immer den Gesundheitsverordnungen aus Bruessel entsprechen. Was heisst, dass man beim Beissen oft auf Sand und Erde stoesst, was dem Magen nicht sehr gefaellt. Mit dem Wasser hatte ich das Problem, dass ich keinen Bock hatte es ein Jahr lang abzukochen und das Projekt auch kein Geld hatte fuer einen Wasserfilter. So habe ich mich auf dubiose Studien verlassen und das Wasser in Flaschen abgefuellt und sie 2 Tage lang rausgestellt. Das war fuer die ersten 3 Monate nicht gut fuer meine Gesundheit, aber seit nun 4 Moanten katte ich keine groeberen Beschwerden mehr. Ich scheine resistent geworden zu sein.
Durch meine Reisen habe ich auch wieder so an Gewicht zugenommen, naemlich von 62 kg im ersten Monat zu 68 kg heute. Da sieht man mal, was schwimen, Steaks und ganz viel Bratoel alles bewirken koennen.
• Geld: In meinen bisherigen 9 Monaten habe ich schon 3000 Euro ausgegeben. Das meiste davon ging fuer Reisen drauf. Wenn ich nur am Projekt leben wuerde, dann wuerden sich die Kosten hoechstens auf 800 Euro belaufen, aber da ich immer wieder raus muss, da ich sonst am Projekt eingehen wuerde, brauche ich deutlich mehr. Diese Kosten stehen absolut nicht im Verhaeltnis zu meinem sozialem Umfeld, denn ein normaler Arbeiter verdient im Monat so um die 20 Euro. Wenn ich allerdings meine Ausgaben mit denen von Freiwilligen in Grossstaedten vergleich, dann liegen meine Ausgaben immer noch darunter, da bsp.weise in Kampala, der Hauptstadt, die Versuchung groesser ist ins Kino zu gehen oder abends auszugehen.
2. Arbeit – Projektpartner
• Arbeitsalltag: Ein normaler Arbeitstag sieht bei mir wie folgt aus. Ich stehe ca. um 8.30 Uhr auf, mache mir, wenn ich genuegend Zeit habe ein Spiegelei und esse dazu einen ungetosteten, gesuessten Toast. Danach rmache ich mich bereit fuer die Gruppen, die ich unterrichte. Mein Projekt hat bisher 8 Gruppen aufgenommen, welche ich fast taeglich besuche. Die Gruppen werden in verschiedenen Dingen unterrichtet wie Landwirtschaft, Finanzmanagement, Aidsprevention, Familienplanung, Englisch, Schreiben, usw. Die Unterrichtsinhalte zu denen ich etwas beitragen kann gestalte ich mit und ich bin auch verantwortlich fuer die Qualitaet und den Verkauf der Handfertigkeiten, welche die Farmer produzieren und bin Schatzmeister ueber die lokalen Beitraege der Mitgleider. An einem Tag mache ich bis zu 2 Gruppen und danach gehe ich noch Lebensmittel einkaufen. Die Gruppen erreiche ich meistens mit meinem Fahrrad. Ich habe allerdings vom Projekt auch ein Motorrad bekommen, das zwar staendig repariert werden muss, dafuer aber wehement meinen Schweisdruesen entlastet! Daheim nehme ich dann erstmal eine Dusche, obwohl ich weiss, dass ich eine Stunde wieder gleich aussehe. Aber wenn mal wieder kein Wasser im Tank ist, dann vermiss ich die taegliche Dusche schon sehr arg. Am Dienstag ist Farmtag. Da ist Zeit fuer alle moegliche anfallenden Arbeiten fuer die man sonst nicht genuegend Zeit hat. So wasche ich dienststags meistens meine Kleider, baue mir irgendwas (letzthins ein Regal) oder schreibe Tagebuch.
Abgesehen von diesen Arbeiten bin ich noch verantwortlich fuer unser Honigprojekt, kreiere Formulare am PC und bin in den woechendlichen Angestelltentreffen derjenige, der immer wieder nachhackt und versucht auf ugandischer Weise ein wenig das faule Schwein in jedem auszutreiben.
• Zusammenarbeit am Projekt: Die Zusammenarbeit mit den anderen Angestellten am Projekt ist ralativ gut. Da ich mit ihnen am Projekt zusammenlebe, kann ich aber auch schlecht ein autoritaeres “Bossverhaeltnis” zu ihnen aufbauen, was mich am Anfang eher gestoert hat. Besonders da mein deutscher Projektleiter das von mir erwartete. Als ich jedoch langsam mit den ugandischen Begebenheiten vertraut war, sah ich, dass in diesem Land nichts durch Zwang erreicht warden kann. So war bsp.weise vor mir schon einmal eine Freiwillige fuer 5 Wochen da und die hat ganz nach deutschem Grundsatz die Menschen per Stunde bezahlt und achtete sehr auf einen exakten Zeitplan. Dies ist hier aber schlicht weg undenkbar. Die Menschen hier lassen sich fuer alles mehr Zeit und wollen selbst entscheiden koennen wie lang sie fuer etwas brauchen. Wenn man ihnen dann noch etwas befiehlt, dann blocken die Menschen hier, die trotz aller Armut sehr wuerdevoll sind, voellig ab. Hier sagt man, dass man mit Angstellten in der selben Sprache sprechen muss. Was heisst, dass man nicht sagt: “Fege den Ziegenstall haeufiger!”, sodern: “Schau mal. Wenn der Ziegenstall zu dreckig ist, dann sammeln sich da leichter Floehe und Zecken an, welche unsere Ziegen befallen. Dann muessen wir die behandeln, oefters bespruehen und, und, und. Was denkst du wie wir dem entgehen koennen?!” Der Grundsatz, dass man Befehle gibt, klappt zwar in so fern, dass die meisten auch erfuellt werden, aber dafuer sind die Angestellten dann deutlich unzufriedener, misswirtschaften und kuendigen schneller. So hat bsp.weise mein Farmmanager gesagt, dass wir ihm das doppelte geben koennten. Wenn er dann aber zu etwas gezwungen wuerde, dann wuerde er sofort kuendigen.
So war ich wirklich positv ueberrascht, dass man auch ohne Befehle etwas voran bringen kann. Es geht zwar ein bisschen langsamer, aber dafuer waren die Arbeiter dann auch mit Herz bei der Sache und fuehlen sich nicht ausgebeutet oder in ihrer Ehre angekratzt. Ich habe auch von meinen Angestellten ein wirklich gutes Feedback bekommen, dass ich verstanden habe wie man in Uganda Boss spielt. Dies ist mir besonders wichtig, da ich ziemlich abhaengig bin von meinen Angestellten. Wenn ich ihnen nicht teilweise vertrauen koennte, dann muesste ich immer meine Tuer abschliessen, muesste auf mein Trinkwasser aufpassen, das vergiftet werden koennte, was hier leider oft passiert und, und, und.
• Gestaltungsmoeglichkeiten: Ich habe theoretisch ziemlich viel Gestaltungsfreiraum. Diesen kann ich aber nur begrenzt nutzen, da ich mit den Aufgaben, die mir zugeteilt werden, ziemlich gut ausgefuellt bin. Ich nutze ihn aber in so fern, dass ich kleine Sachen mir baue wie z.B. einen Ofen, ein Regal und bald ein kleines Vorzelt.
• Neigungen: Dieses Projekt entspricht nicht wirklich meinen Neigungen, da ich eher medizinisch interessiert bin. Diese Vorliebe kann ich allerdings nur bei gelegentlichen Kastrationen ausleben. Ansonsten macht es mir Spass die Farmer zu unterrichten, da einem bei den Workshops doch sehr viel Waerme entgegengebracht wird. Es waere aber uerbtrieben zu sagen, dass ich mich im Projekt selbst verwirklicht habe. Das ist ein zu hoher Anspruch. Unterrichten, managen, kochen, waschen und allgemein das einfache, aber glueckspendende Leben gefaellt mir sehr gut, aber meine Bestimmung habe ich hier nicht gefunden.
3. Beziehungen:
• Kontakte zu Einheimischen: Ich habe zwar durch meine Lebens- und Arbeitssituation schon einen engen Kontakt zur einheimischen Bevoelkerung, doch ein Treffen auf gleicher Ebene ist es deswegen noch lange nicht. Zum einen ist da das Fehlen einer gemeisamen Sprache, was bei den meisten Menschen hier doch sehr in’s Gewicht faellt, da die Bildungsrate sehr gering ist. Ein andere Huerde ist mein Geldbeutel. Es gibt zwar ein paar wenige Menschen, die mich einfach nur so als Menschen sehen, aber fuer die meisten bin ich eben eine Dollarnote. Deswegen sind ein paar meiner “Halbfreunde” reiche Afrikaner, die schon Auslandserfahrung haben und fuer die ich nicht vom Mond komme.
• Kontakte zu anderen weisshaeutigen Menschen in Afrika: Was dies betrifft habe ich fast nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Weisse, die man hier trifft sind beinahe ausnahmslos richtig nette Zeitgenossen. Wahrscheinlich sehe ich, dass aber auch durch eine rosa Brille, weil fernab der Heimat doch fruehere grosse Kulturunterschiede zur Unkenntlichkeit schrumpfen. So habe ich hier in Kasese, aber auch auf meinen Reisen durch Ruande, Kenia, Tansania und Sansibar so viele Freunde gefunden mit denen ich richtige Momente des Gluecks hatte. Es ist einfach so, dass man mit Weissen ueber viel mehr Dinge reden kann. Wenn ich mit Afrikanern rede, dann ist das meistens ueber Geld, das europaeische Leben, das Sexleben von Ostafrikanern oder ueber Preiserhoehungen der Lebensmittel. Eben fast ausnahmslos Dinge ueber die ich in Deutschland nie reden wuerde. Das mag jetzt fuer den einen oder anderen rassistisch klingen, aber wir denken einfach anders als die Leute hier. Der Kontakt zu anderen Weisshaeutigen haellt sich jedoch ziemlich in Grenzen, weil es bei mir einfach nicht so viele gibt und ich das auch nicht moegen wuerde, da man da schnell in eine Subkultur eintaucht, in der man der eigtl Welt entflieht. Dies ist z.B. in Kampala oder Kigali schnell der Fall.
Was ich auf meinen Reisen auch sehr verwunderlich fand war, dass ich als Deutscher ueberall gelobt wurde. Meine Freunde in Mombasa sagten, dass Deutsche immer auch mit Einheimischen reden, wohingegen Englaender mehr als Krokodilurlauber gelten-am Pool liegen und Mund zum Fressen aufreissen. Von weissen Travellors habe ich auch gehoert, dass Deutsche so offen, unkompliziert, verrueckt und trinkfest seien. Das gibt mir echt Mut, dass ich zurueck in Deutschland nicht nur auf Mallorca Leute treffe.
• Kontakte zu Familie, Freunden in Deutschland: Ich habe regelmaessigen Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland auch wenn dieser nicht besonders intensiv ist. Es sind einfach Welten zwischen dieser Welt und der ihrigen. So schreibe ich zwar Briefe und Emails, in denen ich versuche sie an meinem Leben teilzuhaben, aber um es zu verstehen, muessten sie mich besuchen kommen. Dies haben auch meine Vater und meine zwei Brueder getan. Es war sehr wichtig fuer mich ihnen ein Stueck meines neuen Lebens zu zeigen, sodass sie mich besser verstehen koennen. Schlimm waere es nur, wenn sie mich nur vor einem Jahr kennen und dann nach einem Jahr. Da wuerden sie vll den Draht zu mir verlieren.
Mich einfach zu besuchen geht aber leider fuer meine Freunde nicht und so bleibt da nur der Kontakt ueber Telefon und Internet. Wenn ich hin und wieder mit meinen Freunden telephoniere, dann wird mir erschreckend klar wie sehr sich unsere Leben unterscheiden. In den Emails kommen nur sehr gesiebte Worte an, aber am Telephon ist man sich doch dann ploetzlich sehr nahe und realisiert erst, dass man sich ferner ist, als vorher in Deutschland. Aber ich hoffe sehr, dass sich das legt, wenn ich erstmal wieder in Deutschland bin. Und mit meinem ugandischen Optimismus bin ich mir sogar ziemlich sicher!
4. Begleitung vor Ort:
• Verhaeltnis zur Kontakperson vor Ort: Meine Kontaktperson vor Ort ist mein ugandischer Direktor Kule Sylvester. Er ist gleichzeitig Direktor an einer der besten Agrarschulen in Uganda und ist einfach mit einer der besten Menschen, die ich kenne. Es gibt zwar auch in Deutschland selbstlose Menschen, deren Glueck im Glueck anderer liegt, aber das in Uganda zu sehen, in dem sich die Menschen solche “emotionalen Ausrutscher” nicht erlauben duerfen, ist echt ein Wunder! Sylvester ist so einer. Er kann zwar nur 1-2mal im Monat zum Projekt kommen, da er sehr beschaeftigt ist, aber er leistet mir oft per Telephon emotionalen Beistand. So lobt er mich oft und dankt mir sehr herzlich fuer all die Arbeit, die ich hier geleistet habe und gibt mir einen Ansporn weiter zu machen. Die Meetings mit ihm gehoeren auch zu den besten. Man kann mit ihm einfach ueber Probleme reden, ohne, dass man dazu spezielle Zeremonien befolgen muss. Ausserdem wiederholt er sich nicht so oft und kann Dinge auf den Punkt bringen, was hier eine ziemliche Seltenheit ist. Ich mag ihn!
• Verhaeltnis zu Projektleiter in Deutschland: Zu meinen Projektleitern in Deutschland habe ich ein relativ freundschaftliches Verhaeltnis. Wir haben zwar immer wieder unterschiedliche Ansichten, was daran liegt, dass die ugandische Sicht der Dinge nicht immer mit der deutschen konvergent ist, aber wir koennen uns meistens einigen. Was ich sehr schaezte ist, dass sie mir sehr viel Mitbestimmungsrecht einraeumen und mir Freiheiten lassen. Verbesserungsfaehig ist allerdings der Informationsfluss von Seiten Deutschlands. Hier in Uganda ist es mir naemlich gelungen, dass ich einen grossen Einblick in die Finanz- und Managerwelt des Projektes habe. Leider kann ich dasselbe nicht ueber die deutsche Seite des Projektes sagen. Wenn ich fuer das Projekt voll arbeiten soll, dann wuerde ich auch gerne ueber die aktuelle finanzielle Situation des Projektes Bescheid wissen.
• Verhaelltnis zu Frweilligen des Kurses: Diese Beziehung ist leider ein wenig durch meine geringe Internetzeit auf Eis gelegt. So komme ich auch kaum dazu die Berichte der anderen zu lesen. Dies aendert aber nichts daran, dass ich auf den deutschen Seminaren solch wundervolle Menschen getroffen habe. So freue ich mich auch schon wahnsinnig auf das Rueckkehrseminar im November!
5. Kultur und Rolle des Freiwilligen:
5.1. Fragen an den Frweilligen:
• Begegnung mit der anderen Kultur und ihren Menschen: Wie ich schon mal frueher erwaehnt habe, kann ich durch meine Lebenssituation den Alltag der Einheimischen einigermassen nachfollziehen. So kommen Kommunikationsprobleme aufgrund von anderen Denksystemen relative selten vor. Aber ich muss sagen, dass ich nur bei ganz wenigen Leuten nahe haran komme. Bei den meisten verbleibe ich an der Oberflaeche. So faellt es mir leicht small zu talken, sie zum Lachen zu bringen oder Kontkate zu knuepfen. Viel schwerer hingegen ist es das Bild, das man als Weisser verkoerpert, zu brechen. So gebe ich mir grosse Muehe nicht dem Cliché eines weissen Mannes zu entsprechen, der Angestellte braucht, um zu ueberleben und sich nur in fetten Autos fortbewegen kann. Ein anderes anfaengliches Problem war auch, dass ich ein Mann bin und so sogleich eine Person, die man respektiert aber nicht unbedingt liebt. In dem ich mich aber in den Workshops immer wieder selbst verarscht habe, war diese Blockade auch bald ueberwunden. Und dann sind da auch noch Mentalitaetsunterschiede wie das Fehlen einer Privatsphaere und die Kulur des Teilens, welche einen Annaeherung schwer machen. Diese Unterschiede moechte ich spaeter noch genauer eroertern.
Eine Annaeherung der Kulturen geschieht aus meiner Sicht aber nur auf meiner Seite. Natuerlich konnte ich teilweise Vorurteile aus dem Weg schaffen, wie dass ein Weisser auch kochen kann und fuer sein Geld sehr hart arbeiten muss, aber eine wirkliche Annaeherung von der irigen Seite gibt es nicht und es waere auch utopisch es anzunehmen. Meine Annaeherung geschied in Form einer Adaption. So bin ich viel ruhiger geworden, reflektiere nicht mehr so viel uber Geschehenes und Zukuenftiges nach, sondern kann viel mehr das Jetzt und Hier geniessen.
• Eingewoehnungsphase: Ich bin am 14.8.08 so gegen 24 Uhr am Flughafen in Entebbe angekommen, wo auch schon einen andere Freiwillige wartete, die 2 h vor mir ankam. Zusammen haben wir ein Taxi nach Kmapala genommen und sind in einen Backpackers abgestiegen. Da wir noch von den neuen Eindruecken voller Adrenalin war, sind wir der Spur eines leisen Reaggaebaets gefolgt und haben so um 2 Uhr einen provisorisch umgebauten Friseursalon entdeckt, in dem wild afrikanisch getanzt wurde. Wir haben natuerlich gleich mitgetanzt und es gab bis auf eine Drohung eines Junkies keine Zwischenfaelle. So muss man sagen, dass meine Eingewoehnungsphase sehr kurz war und ich bereue absolut nicht den Sprung ins kalte Wasser! Am naechsten Tag wurden wir dann von unserm Direktor Sylvester abgeholt und verbrachten eine Woche bei ihm daheim, die auch sehr lehrreich war, weil wir so das Leben in einer afrikanischen Familie gleich mal schnuppern konnten. Danach wurde uns dann aber das staendige morgendliche Schreien der Kinder an unserem Fenster und die Fehlende Freiheit zu viel und wir sind zum Projekt umgezogen.
Ohne jetzt besonders anzugeben muss ich sagen, dass ich keinen wirklichen Kulturschock hatte und es mir von Anfang an sehr gefallen hat. Fuer die naechsten kommenden Freiwilligen kann ich allerdings empfehlen, dass sie eine ganze Woche in Kampala verbringen sollten, da diese Stadt westliche und afrikanische Elemente vereint. Wenn man naemlich gleich nach Kasese in den Busch geschmissen wird, dann kann das fuer manches deutsches Stadtkind doch schon ein ziemlicher Schock sein.
• Spenden: Mein Verhaeltnis zu Spenden hat sich in meiner Zeit hier doch sehr veraendert. Im Seminar wurde mir eigtl beigebracht, dass ich das unter keinen Umstaenden machen soll, aber hier habe ich einfach erkannt, dass Spenden ganz normal in der Kultur ist und man als wohlhabender Mensch praktisch assozial ist, wenn man es nicht tut. Anfangs habe ich nie Leuten, die auf der Strasse leben, Geld gegeben. Aber als ich dann gesehen habe, dass selbst aermlich aussehende Menschen ihnen Geld gegeben haben, habe ich meine Vorstellungenen vom Spenden neu ueberdacht. Natuerlich spende ich noch immer nicht Geld an bettelnde Strassenkinder, die sich davon nur Kleb kaufen wuerden, aber bei manchen Menschen werde ich schon schwach. So kann der verzweifelte und verhungerte Augenschlag eines alten Bettlers meinen Verstand ausschalten. Auch wenn das Laecheln eines bettelnden Kindes so voller Hoffnung und Glueckseligkeit ist, sodass man an das Gute in der Welt zu glauben beginnt und auf keinen Fall diesen Glauben daran zerstoeren will. Es ist doch eigtl wunderbar, dass ein wenig Geld die Welt eines Kindes erstrahlen kann und ein bisschen Waerme auch auf einen selbst ueber geht. Es gibt deutlich sinnlosere Investitionen! Grundsaetzlich ist es aber am besten Hilforganisationen zu spenden, weil das Geld deutlich gewinnbringender einsetzen koennen.
Auch meiner eigenen Organisation greife ich manchmal unter die Arme, wenn es wo klemmt. So habe ich bisher den Huehnerstall finanziert und auch sonst immer mal wieder Geld fuer Huehner, Werkzeug und Zement bereit gestellt. Dieses Geld kam entweder von meinen Eltern und von Freunden, die mich unterstuetzen.
• Mentalitaetsunterschiede und ihre Gruende: Wenn ich alle mir auffallenden Mentalitaetsunterschiede aufzeigen wuerde, dann wuerde dieser Bericht hier zu ner halben Diplomarbeit werden-nicht von der Qualitaet her, aber vom Umfang. Deswegen zaehle ich hier nur die markantesten auf:
In Uganda ist die Familie, bzw. der Stamm essentiell wichtig! Die Gemeinschaft gibt einem Schutz, sie hilft einem in Krisen, usw. Dies kann aber auch negative Folgen haben. So wirst du in Uganda selten Leute treffen, die voellig ehrlich, unverstellt und direkt zu dir sind. Als ich meinen deutschen Theaterleiter in Uganda getroffen habe, sagte er auch, dass die Ugander die besten Schaupieler sind, die er kennt. Wenn dich bsp.weise ein Ugander nicht leiden kann, dann wuerde er es dir normalerweise nie sagen. Es ist ja wichtig, dass die Gruppengemeinschaft nicht gestoert wird und es waere auch taktisch unklug jemanden zu hassen. Man weiss ja nie, ob man noch einmal seine Hilfe braucht. Wenn es fuer diese Antipathie allerdings kein Ventil gibt, dann staut sich der Hass auf und entlaedt sich dann urploetzlich, was bsp.weise in Form einer Vergiftung eines Familienmitgliedes geschied. Man sagt z.B., dass Muzeweni, der ugandische Praesident, nur nicht von seinem Amt abtreten will, weil dann seine jetzigen Freunde zu seinen aergsten Feinden werden. Dass die Gemeinschaft alles ist und du nichts hat bei mir den groessten Kulturschock verursacht. Ich als Eruropaeer lege doch schon sehr viel Wert auf meine Eigenstaendigkeit und Privatsphaere. Die hat man aber hier kaum. Staendig ist jemand da, der dich unterhalten will und wenn man mal krank ist, dann muss man dich erst recht besuchen. Fuer die Besucher dann aber im kranken Zustand kochen zu muessen, ist fuer den Krankheitsverlauf nicht sehr foerderlich.
Der 2. krasse Mentalitaetsunterschiede ist die sog. “afrikanische Lebensweise”. Die meisten Ugander sind ruhig, gelassen und faul. Wie ich denke liegt das vor allem daran, dass sie schon mit wenig zufrieden sind. Darueber hinaus kommt dazu, dass viele Maenner keine Arbeit haben und da sich nur wenige gegenueber geschwaeerten Frauen verantwortlich fuehlen, planen sie nicht fuer die Zukunft, sondern leben nur so in den Tag hinein. Wenn dann noch der Vater ein wenig Land und Geld besitzt, dann gibt es fuer viele keinen Grund mehr zu arbeiten. Was diesen Hang zum Faul sein noch kraeftig unterstuetzt ist die grosse Hoffnung, dass andere ihnen helfen. Und so beten sie fleissig jeden Sonntag fuer mindestens 2 h in der Kirche und bringen Gott Vater alle moeglichen Opfergabungen. Denn sie glauben, dass es mit Gott so wie mit einem reichen Freund ist. Wenn du ihm dienst, bzw. hilfst, dann wird auch dir geholfen werden. So beten sie dann instaendig, dass Gott ihr Leben veraendert und ihnen Wohlstand bringt. Dasselbe kann man ungefaehr auch ueber das Verhaeltnis zu Muzungus, Weissen, sagen. Da gilt naemlich: “Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Muzungu her!”. Diese eigene Tatenlosigkeit und die Hoffnung auf einen Retter sind es, die die Menschen davon abhaellt ihre eigene Staerken zu erkennen und fuer ihr Glueck zu arbeiten.
Der naechste Punkt, den ich hier gerne erwaehnen moechte ist, dass die Menschen hier sehr grossen Wert auf die aeussere Phasade legen. So gibt sich jeder besser als er in Wirklichkeit ist. Das faengt bei den fast nie weinenden Augen an, geht weiter ueber den laechelnden Mund, dem frisch gewaschenen, gebuegeltem Hemd, zu dem Handy in der Hand und endet bei den auf hochglanz polierten Schuhen. Rein aeusserlich wuerde man einen geschaeftstuechtigen Mann vermuten, aber die Realitaet sieht dann so aus, dass er am Mittag noch nichts zum Essen hatte, sein Abschluss zu gering ist, um eine Anstellung zu bekommen und er 5 Kinder ernaehren muss. Dass das so ist liegt meines Erachtens einfach an der grossen Wuerde, die die Menschen hier haben.
Der nachste Unterschied in den Kulturen ist die ugandische Ausdrucksweise. Dies faellt mir nach 9 Monaten immer noch schwer. Sie ist naemlich voll mit Methaphern, rhetorischen Fragen und Wiederholungen. Besonders in den Sitzungen bringt mich das oft zur Weissglut. Wenn man etwas diskutiert, dann reicht ein preziser Satz nicht aus. Man muss ihn mit Bsp. und ganz vielen Wiederholungen versehen. Dies ist der Grund, warum die Leute meine Vorschlaege gar nicht erst kapieren. Denn wenn ich hier nur einen Satz sage, der die Loesung des Problems darstellen kann, dann verpufft er einfach so im Raum. Und es ist dann ziemlich nerventoetend, wenn die Mitarbeiter, dann nach einer halben Stunde Diskussion auf dieselbe Idee stossen.
Was auch noch sehr interessant ist, ist die Definition von Freundschaft. In Deutschland zeigen wir jemandem unsere Freundschaft in dem wir ihm emotionalem Beistand geben. Hier in Uganda haben die Leute durch ihre sehr herzliche Kultur der Gemeinschaft genuegend davon. Ihnen fehlt es an essentielleren Dingen! Man beweisst anderen viel mehr seine Freundschaft, in dem man die Probleme des anderen zu seinen eigenen macht. Das ist generell ein Leitsatz hier. Das heisst im Klaren, dass du einem Freund in Noeten finanziell hilfst. Am Anfang dachte ich, dass mich “Freunde” um Geld fragen, nur weil ich ein Muzungu bin. In Wirklichkeit ist es aber ganz normal, dass man Freunden Geld gibt, um bsp.weise ihr Studium zu finanzieren. Dass man sich mit den Problemen des anderen verbunden fuehlt, zeigt sich auch in einer ganz bildlichen Form. So solltest du z.B. nie eine Wunde einem ugandischen Nichtdorktor zeigen, weil er dann in seiner grossen Verbundenheit voll rein langt und fragt ob es arg weh tut.
Wie ihr sieht gibt es schon eine grosse Anzahl an kulturellen Unterschieden. An manche habe ich mich gewoehnt und teilweise sogar uebernommen, aber andere wuerde ich sogar nach 10 Jahren noch nicht ausstehen koennen!
5.2. Fragen an den Projektpartner:
• Wie erleben Sie den Freiwilligen und wie waren ihre Erwartungen davor?: Der Freiwillige ist ein sehr sympathischer, offener und warmherziger Mensch, der sich gut in unser Leben eingelebt hat. Er legt grossen Wert darauf, dass er kulturelle Grenzen nicht ueberschreitet. So habe ich ihn noch fast nie oeffentlich mit kurzen Hosen gesehen und ich habe auch noch kein schlechtes Wort ueber ihn gehoert. Als Timo im Januar das Seminar in Nairobi besuchte, haben unsere Farmer viel nach ihm gefragt, was ein Beweiss fuer seine Beliebtheit bei ihnen ist. Auch dass er sich seiner Haare entledigte und die afrikanische Glatze bevorzugte, war fuer viele ein Beweis fuer seine enge Verbundenheit. Erstaunt waren sie auch, als sie sahen, dass ein Muzungu auch alleine kochen und waschen kann. Nur, dass er sich keine Angestellte haltet finden sie eigenartig. Da dies nur sozial waere, wenn er einer Frau Arbeit geben wuerde.
Sehr positiv hervor zu heben ist auch sein freundschaftlicher Umgang mit den Angestellten des Projektes. Er versteht es sie zur Arbeit zu motivieren ohne sie dazu zu zwingen wie man es vor allem von amerikanischen Freiwilligen gewohnt ist. Er versucht auch den Angestellten zu erklaeren, was der Grund ist, dass er sich ein T-shirt fuer 20 Euro kauft, aber dem Nachtwaechter nur 10 Euro zahlt.
Zu den Erwartungen kann ich nur sagen, dass er sie groesstenteils erfuellt hat. Er liefert den Projektpartnern in Deutschland staendig Berichte ueber die aktuelle Situation am Projekt, macht Werbung bei seinen zahlreichen Freunden, die er dann auch zum Projekt bringt und mit ihnen ausgelassen festet und hilft mit bei der Suche nach Loesungen. Ausserdem hoffen wir, dass er einen guten Ueberblick von der Situation vor Ort gewinnt, sodass er ihn nach Deutschland mitnehmen kann und andern Leuten von uns erzaehlt, um den nakten Zahlen ein bisschen Farbe zu geben.
Da Timo unser erster Freiwilliger fuer ein ganzes Jahr ist, koennen wir nur schwer Vergleiche aufstellen oder sagen, was sich veraendern sollte. Wir sind alles in allem sehr zufrieden mit ihm!
6. Meine Vorbereitung:
• Beurteilung der Vorbereitung: Vor meinem Jahr in Uganda habe ich drei Seminare des BDKJ besucht. Zwei davon waren zur Charakterstaerkung und Situationssensibilisierung des Freiwilligen und eins davon afrikaspezifisch. Im Nachhinein ist mir bewusst geworden wie extreme wichtig diese Seminare fuer mich waren. Es ist einfach so, dass es ziemlich schlecht ist, wenn man sich in diesem Land, in dem man des oefteren in Extremsituationen geraet, nicht selbst kennt und weiss wie man auf bestimmte Situationen reagiert. Besonders das 1. Seminar hat einem dabei sehr geholfen sich besser zu verstehen und mit seinen Schwaechen besser umgehen zu koennen. Es hat auch extreme mein Selbstbewusstsein gestaerkt was hier viel wichtiger ist als das Wissen ueber den Kleidercodex. Was mir allerdings bei den Seminaren gefehlt hat, waren praktische Bsp. ueber Konflikt- und Extremsituationen in dem entsprechenden Land. Es wurden viel zu viel theoretische Konfiktbewaeltigungsmodelle gezeigt, aber nie wirklich etwas konkretes.
Da ich die ersten 5 Monate mit einer anderen Freiwilligen am Projekt war, die keine Vorbeireitung hatte, wurde mir auch bewusst wie gut es war, dass man uns schon gesagt hatte, dass wir nicht glauben muessen, dass wir hier gross etwas veraendern koennen. Die anderen Freiwillige machte sich naemlich bis zum Ende ziemlich grosse Vorwuerfe, dass sie kaum was erreicht hat. Bei mir ist es anders, weil das Seminar mir schon alle Illusionen genommen hat. Aber ein bisschen haetten sie mir schon lassen koennen. Das Argument naemlich, dass der einzige, der entwickelt wird, ich selbst bin, verleitet schnell dazu eine Ausrede fuer die eigenen Tatenlosigkeit zu haben. Deswegen hier ein Apell an die Leiter der naechsten Seminare: “Bitte nehmt nicht alle Illusionen. Man kann etwas erreichen, wenn man sich auf die Kultur einlaesst und es auch wirklich will!”
• Eignungsgrat der Stelle fuer andere Freiwillige: Ich halte meine Einsatzstelle fuer sehr geeignet fuer Freiwillige! Ganz davon abgesehen, dass die Landschaft hier paradiesisch ist und der Platz dem Freiwilligen so viele Entfaltungsmoeglichkeiten gibt, ist ein europaeischer Arbeiter sehr von Nutzen. Zum einen fuer eine kontinuierliche Berichterstattung des Freiwilligen, was sehr wichtig ist, da sonst Vorstellungen der deutschen Spender und die afrikanische Realitaet schnell auseinander geht. Ausserdem ist machmal eine analytische und rationale Denkweise vor Ort sehr von Nutzen und jemand der die ueberall lauernde Faulheit ein bisschen fern haellt. Es gibt auch noch in meinem Gebiet eine sehr grosse Anzahl an Vorurteilen gegenueber Muzungus, die es durch eine andere Lebensweise des Freiwilligen zu veraendern gilt.
Im Vergleich zu machen anderen Stellen in Ostafrika kann ich auch ohne bedenken sagen, dass man hier auch noch wirklich gebraucht wird, weil das Projekt erst noch in der Entwicklungsphase steht. An anderen Orten, die ich besucht habe, sind nur Freiwillige da, um Geld rein zu bringen. Fuer genuegend Arbeit ist aber nicht gesorgt. Das ist gottseidank an meinem Projekt noch anders!
• Erwuenschte Veraenderungen: Das einzige, was mir am Projekt noch nicht gefaellt ist das Fehlen von Strom und einem eigenen Zimmer. Wenn ich naemlich Strom haette, dann muesste ich nicht immer zu Freunden fahren, um meine Sachen aufzuladen, koennte einen Ventilator und einen Wasserkocher kaufen und koennte auch nachts noch gut arbeiten. Das eigene Zimmer konnte ich fuer 4 Monate geniessen, weil die erste Freiwillige 5 Monate geblieben ist und jetzt wieder einen neue Freiwillige bis zum Ende da ist. Denn wer denkt, dass ein 9 m² Zimmer fuer zwei ausgewachsene Personen untschiedlichen Geschlechtes ausreicht, in dem alles bis auf ein Klo enthalten ist, der war zu lang in China.
Ausserdem wuerde ich mir wuenschen, dass irgendwann, wenn das Projekt ausreichend Geld hat, ein neues besseres Motorrad angeschafft wird, das schneller als 60 km/h faehrt und bei dem man nicht immer fuerchten muss, dass es nicht mehr anspringt.
7. Persoenliches:
• Persoenlichkeitsveraenderungen: Es ist sehr schwer es selbst zu bemerken, ob man sich veraendert hat. Deswegen war es gut, dass mich Menschen, wie meine Familie und mein bester Freund Simon, besucht haben, die mich noch aus Deutschland sehr gut kennen. Diese haben gesagt, dass es stimmt, dass ich mich veraendert habe. Ich bin ruhiger, ausgeglichener, entspannter und ein wenig selbstverliebter geworden. Zu dem letzten Punkt muss man dazu sagen, dass ich frueher ein ziemlicher Selbstkritiker war und gar nicht zufrieden mit mir war. Das hat sich jetzt gottseidank geaendert. Ich habe zwar keine 180º Drehung hingelegt, denn ich bin immer noch leicht vergesslich oder verplant, aber dafuer habe ich nicht mehr so wirre Gedanken und bin auch zuverlaesslicher geworden.
Ich habe nur Angst, dass ich vll gegenueber manchen Menschen in Deutschland ueberheblich geworden bin. Ich kann es einfach nicht mehr so verstehen, dass man sich von aeusseren Einfluessen wie Mode oder oberflaechliche Gefuehle schnell mitreissen lassen kann oder dass der Horizont nicht ueber die 40 Kanaele des Fernsehen hinausreicht.
Meine Ansicheten ueber mache Dinge haben sich auch veraendet. So bin ich mir sicher, dass ich mehrere Jahre ohne groesseres Heimweh an einem fremden Ort wohnen koennte, solange dort die Menschen nicht allzu verschlossen sind und es Srom und gutes Essen gibt.
Vor diesem Jahr wollte ich auch Umweltingenieur studieren. Doch seitdem ich hier lebe, wurde mir klar, dass ich Menschen um mich herum brauche und darin auch meine Staerke liegt. Deswegen habe ich mich in Deutschland nun fuer einen Medizin beworben, da ich dort Mensch und Wissenschaft am ehesten vereint sehe.
Auch wurde mir bewusst wie laecherlich wir uns in Deutschland anstellen. Natuerlich haben wir Probleme! Diese sind aber im Vergleich zu den Problemen von 70 Prozent der Weltbevoelkerung verschwindend gering. Auch fehlt uns Deutschen eine gewisse Lockerheit. Der Lebensinhalt kann doch nicht nur daraus bestehen, dass man sich nur durchs Leben boxt, um am Ende dann zu erkennen, dass man gar nicht wirklich gelebt hat und das schwarze Kind im Dreck breiter lacht.
• Plaene: Bis zu meinem Abschied moechte ich noch ein Vorzelt fuer mein Zimmer bauen, ein 2-woechiges Praktikum im nahen Krankenhaus machen und allen Leuten zurueckschreiben, die mich ueber das Jahr menthal und finanziell unterstuezt haben.Wenn ich dann wieder in Deutschland bin, moechte ich gerne den neuen Freiwilligen einweissen, der im August nach Uganda geht.
• Rueckkehr nach Deutschland: Bis jetzt habe ich noch nicht wirklich das Beduerfnis zurueckzukehren, aber ich glaube, dass das nur ein Selbstschutzmechanismus meines Gehirns ist. Denn wenn ich mir staendig das Leben in Deutschland vorstelle, dann wuerde ich verueckt werden. Abe rich denke, wenn ich erstmal wieder auf Heimatboden bin, dann darf ich durchdrehen. Verzeit meine Ausdrucksweise, aber ihr in Deutschland habt schon ein arschgeiles Leben!!! Es ist auch wunderschoen wie viele Leute sich nach mir erkundigen und fragen, wenn ich denn wieder nach Hause komme. Ein guter Freund hat mich schon gefragt, welche Barbecue Sauce ich bevorzuge…an alle Schweine von Deutschland: “Die Schweineseuche ist nichts im Gegensatz zu dem was ich mit euch vor hab’!”
Wer noch mehr ueber das Projekt wissen moechte oder was spenden will, der kann dies unter www.schenkeeineziege.de tun.
Wer noch mehr ueber mich wissen moechte, der kann auf meinen Blog schauen www.timoaufirrwegen.blogspot.com oder mir eine Mail schreiben timokussauer@yahoo.com. Ich freue mich ueber jede Nachricht!
Sonntag, 31. Mai 2009
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